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Kind und Hund – 7 Fakten, die man sich vorher überlegen sollte 

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„Oh Gott, der ist aber süß!!!“ – Ob der Strauchdieb oder das Schlitzohr mit der feuchten Schnauze gemeint ist, ist mir im ersten Moment nicht klar, als ich mit Kind und Hund  im Park spazieren bin. Eine ältere Frau steht vor uns und weiß gar nicht so genau, wem sie jetzt zuerst den Kopf tätscheln soll.

Am besten wäre, sie würde meinen tätscheln. Und wörtlich gesehen macht sie das auch mit dem Satz „Na da haben sie sich aber schön viel Arbeit angeschafft mit Kind und Hund!“. Recht hat sie! Ich will nicht sagen, dass meine Entscheidung ein Kind und einen Hund gleichzeitig in mein Leben zu lassen falsch war, aber genauso wenig kann ich es verneinen, dass es ein Haufen Arbeit ist.

Was auf diversen Instagram Bildern so süß aussieht; eine kleine Auszeit bietet, in den Momenten wenn Junior ihm mit einem Ball hinterher rennt; und was sich abends auf der Couch so herrlich an mich ran kuschelt (und pupst!), ist in Wirklichkeit ein zweites Kind, ein Lebewesen mit Bedürfnissen, eine kostspielige Angelegenheit, vielleicht die anstrengendste, aber auch mit die schönste Entscheidung, die wir getroffen haben – unser Charly.

Erst der Hund? Erst das Kind? Die Diskussion wird oft geführt. Am Ende ist es aber egal wie man sich entscheidet, der Aufwand, die Aufgaben, die Freude und die Sorgen sind die gleichen.

In den vergangenen zwei Jahren habe ich viele Erfahrungen sammeln können und wurde auch oft nach meiner Meinung gefragt. Hier kommen meine 7 Fakten für ein harmonisches Familienleben mit Hund.

  1. Anschaffung gut überlegen „Aber der sieht doch soooo süß aus!“

Ich bin ein wirklich sturer Mensch und wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann hat meist ein kurzes Päuschen, um mal verantwortungsbewusst und vernünftig über eine Sache nachzudenken, keinen Sinn. So auch bei „Fluffy“. Wir haben unseren Charly (der damals noch Fluffy hieß) im Internet gefunden. Er kam von der Organisation ARCA, die Straßenhunde in Andalusien vor Schlimmeren bewahrt und ihnen ein neues Zuhause sucht. Damals mussten wir einen Bogen ausfüllen „Wieviel Geld denken sie kostet ein Hund?“, „Wer geht Gassi wenn sie krank oder verhindert sind?“, „Was machen sie mit dem Hund, wenn sie ins Krankenhaus müssen, weil ihr Kind auf die Welt kommt?“ (Die Organisation wusste, dass wir in ein paar Monaten ein Kind bekommen werden.) Jetzt, mit etwas Abstand weiß ich, dass wir damals keine Ahnung hatten, was da wirklich auf uns zukommt (sowohl mit dem einen, als auch mit dem anderen Baby).

 

  1. Einschränkungen beachten

Dinge mit denen ich nicht gerechnet habe:

  • Hunde dürfen nicht auf den Spielplatz. Das bedeutet, erst den Hund auspowern (während sich das Kind auf dem Feld langweilt) und dann das Kind auspowern (während der Hund alleine zuhause warten muss).
  • Zu Beginn sind die Bedürfnisse von Hund und Kind relativ ähnlich. Besonders in den ersten Monaten waren beide happy. Junior hat nur im Wagen oder in der Trage beim Spazierengehen geschlafen, was dem Hund sehr zugute kam. Aber mit der Mobilität des Jungen und der Neugier an seiner Umwelt musste der Hund ganz schön zurückstecken bzw. auf Schneckentempo bis hin zu wir-beschäftigen-uns-eine-halbe-Stunde-mit-einem-Blatt-auf-dem-Gehsteig runterschrauben.
  • Ein Spaziergang kann selten mit einem kurzen Absteiger im Supermarkt kombiniert werden (zumindest in der Hauptstadt, wo man tatsächlich Sorge tragen muss, dass ein Verrückter deinen Hund vor dem Supermarkt mitnimmt).
  • Mal eben in den Urlaub fahren? Ein Hundehotel ist oft kostspieliger als die Bambushütte in Thailand.
  • Auch ein Wuschel kriecht mal auf allen „Viren“ und ein Tierarztbesuch pendelt sich meist bei 25-65€ ein.
  1. Mit den Konsequenzen leben

Wenn man sich der Einschränkungen bewusst ist, dann ist ja alles fein. Natürlich wird man auch reich belohnt für die Aufnahme eines Sabber-Eumels. Ich will die Kuscheleien, diese treue Liebe, die Freude, wenn man nach Hause kommt oder den Blick, mit dem er Streicheleinheiten einfordert, nicht missen!

Die größte Konsequenz, die ich aber tragen muss ist, dass es wesentlich seltener freie Mamazeit gibt, als bei meinen Muttifreundinnen. Wenn der Mann zuhause ist, übergeben meine Mädels ihre kleinen Räuber an die Männer und können ein bisschen ausspannen. Bei uns gibt es Samstag morgens die kleine Schnick-Schnack-Schnuck Runde – Hund oder Kind? In drei von vier Fällen behalte ich das Kind und der Mann fährt mit dem Hund ins Grüne. Natürlich machen wir auch gemeinsame Ausflüge, Junior zieht aber Spielplatz & Co. dann doch einem Waldspaziergang vor (vor allem weiß man nie, ob man bei seinem Tempo das Auto vor Sonnenuntergang wieder erreicht).

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  1. Vom Besten lernen

Ok, es gibt Situationen bei denen ich mir fast sicher bin, dass Junior es sich vom Hund abgeschaut hat. Er nimmt seinen Stoffball in den Mund und rennt damit quer durch das Café. Er geht draußen ins Gebüsch, um in die Windel zu machen. Ab und zu isst er ohne Hände und direkt mit dem Mund aus der Schale oder beißt beleidigt neben dem Hund ins Hundekissen. Ich glaube aber auch, dass der Hund sehr viel Positives zu Juniors Entwicklung beiträgt. Naturverbundenheit, Verantwortungsbewusstsein, respektvoller Umgang mit Lebewesen, sind nur einige davon. Die beiden sind ein großartiges Team. Die Kommandos „Sitz“, „Bleib“, „Aus“ beherrschen sie gleich gut und ich glaube auch in Sachen Krabbeln konnte sich der Minimann was vom Minihund abschauen. Der Hund hat das Kind von Anfang an respektiert, toleriert und liebevoll behandelt. Wir haben ihn nicht das Neugeborene ablecken lassen, wie man das immer wieder liest. Das kam spätestens mit der Einführung der Beikost ganz von alleine.

  1. Regeln aufstellen

Wir haben den Hund fünf Monate vor der Geburt bekommen. Der Plan war, den Hund in dieser Zeit zu erziehen, damit er dann wunderbar „funktioniert“, wenn das Kind da ist. Bei diesem Satz muss ich nach wie vor schmunzeln. Aber von Anfang an gab es feste Regeln. Kinderspielzeug ist kein Hundespielzeug. Hat geklappt, wobei sich der Hund auch erstmal an das neue Lach-und-Spaß-Paradies im Wohnzimmer gewöhnen musste. Drei Matchbox Autos, 24 Holzklötzchen, ein Kuschelaffe und ein paar Plastikutensilien sind ihm leider zum Opfer gefallen. Mittlerweile kann er aber sehr gut seine, von Juniors Sachen unterscheiden.

Die Näpfe sind für den kleinen Menschenmann tabu. Zugegeben, der Wassernapf löst nach wie vor eine eigenartige Begeisterung in ihm aus, man kann Dinge reinwerfen, man kann mit den Händen reinpatschen und man kann ihn nehmen und quer durch die Küche schmeißen. Aber auch das haben wir mittlerweile in den Griff bekommen und man ertappt Junior nur hin und wieder, wie er seine Snacks brüderlich teilt und dem Hund in den Napf wirft.

6.  Auch der Hund hat ein Recht auf Exklusivität

Kinderlärm kann für einen Hund puren Stress bedeuten. Wir haben unserm Hund daher einen exklusiven Ort geschaffen, an dem ihm seine Ruhe gelassen wird – sein Körbchen. Auch versuchen wir immer mal wieder alleine mit dem Hund ein paar Stunden zu verbringen. Das ist so wie mit zwei Kindern. Jedes Kind braucht mal ein bisschen exklusive Elternzeit, in der sich alles nur um das eine Kind dreht.

7. “Fast alle Beißunfälle passieren mit dem Familienhund“

Eine erschreckende Aussage, aber leider ist sie wahr. So liebevoll Hund und Kind miteinander spielen, schmusen und aufwachsen können, man darf sie nicht unbeobachtet lassen. Ein Hund ist einfach ein Felltier mit viel Zahn und irgendwann ist auch seine Kotzgrenze erreicht. Jede Mutter kennt den Moment, wenn man einfach durch ist und sein noch so süßes Kind (gedanklich!!) im Treppenhaus vergessen könnte. So, oder so ähnlich geht es auch dem Hund. 300 Mal an den Schlappohren ziehen – ok. 550 Mal auf den Schwanz steigen – geht klar. 170 Mal den Bauklotz auf den Kopf bekommen – unschön aber hey. Und irgendwann, irgendwann reicht es selbst dem schnuffigsten Hündchen der Welt. Leider reicht dafür eine unbeobachtete Minute. Ein kleines Schnappen vom Hündchen und das zweibeinige Kindchen hat eine blutige Lippe.

Einem Kind die Möglichkeit bieten zu können mit einem Hundetier aufzuwachsen, ist meiner Meinung nach das Bereicherndste und mit das Schönste, dass man ihm bieten kann. Kind und Hund können ein wunderbares Team bilden, und wenn man sich vor der Anschaffung ein paar Dinge bewusst macht, dann kann einer happy Family mit Pelzkind nichts mehr im Weg stehen. 

5 Kommentare zu „Kind und Hund – 7 Fakten, die man sich vorher überlegen sollte 

    1. Liebe Sandra, vielen Dank und es freut mich, dass er dir gefällt! Gut zu wissen, dass es anderen „betroffenen“ ähnlich geht ;-)
      Ganz lieber Grüße und danke fürs Teilen! Saskia

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    1. Liebe Katharina, Hut ab!! Mit drei „Kindern“. Ich frage mich tatsächlich oft, wie ich das schaffen soll, wenn irgendwann vielleicht noch ein Kindchen dazu kommt!! Uns fehlen einfach ein paar Arme, ein Garten, viele Nerven, gute Erziehung, täglich ein Dog Walker, eine Putzfrau und ein stressfreier Alltag ;-) …aber dann wäre es auch irgendwie langweilig. Halte durch, du wirst mit viel Liebe belohnt! Eine schöne Woche dir.

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      1. Man wächst doch bekanntlich mit seinen Herausforderungen ;-) Den Garten haben wir, die Erziehung hat unsere Hündin nicht. Trotzdem lieben wir sie und der Alltag ist verrückt und toll. Vielleicht werde ich auch bald mal davon berichten. Dir auch noch eine schöne Restwoche!

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