Alltag

Meine Woche 45 // Hund im Schafspelz 

Jeden Freitag ein kleines Résumé der Woche…

Freitag: 

Erst das Kind gebadet und ihm dann Abendbrot gegeben. Grober Anfängerfehler!

Samstag:

Ich bin eine Rabenmutter. Wir waren eingeladen und ich habe tatsächlich eine Ersatzwindel vergessen. Shit (…wie passend). Wie es der Zufall so will, machte sich mein Kackofant nach einem Bissen Krümmelkuchen auch gleich schon auf den Weg zur imaginären Toilette unter dem Küchentisch der Gastgeberin und entspannte seine Muskulatur. Der Gestank und der etwas leidende Blick meines Sohnes taten mir sehr leid, besonders, weil sowohl der Gastgeber-Hund, als auch unser Hund das Weite suchten, sobald sich Baby mit seinem Duftschloss näherte. Kurz überlegt, entschied der Mann, die Windel zu wechseln, indem er stattdessen einfach eine halbe Rolle Klopapier in den Body stopfte. Gut, dachte ich, hat ja damals in der der Klasse 5c auch gut funktioniert, als aus einem Fräulein, ein Fräulein mit monatlichen Bauchschmerzen und einer Laune wie ein Tourette-Kasperle wurde.

Zuhause hatte ich mich dann von meiner Oh la la Mama von letzter Woche inspirieren lassen und Junior ein Töpfchen gekauft. Leider kommt das aber gar nicht an. Junior schmeißt dort seine durchspeichelten Brotreste rein und das Hündchen bedient sich à la Vollpension Buffet an der Costa del Sol. Ich glaube das Thema Trockenwerden dauert bei uns noch.

Sonntag:

Alles verschwindet neuerdings bei uns. Gut das Sockenmysterium ist ja mittlerweile in fast jedem Haushalt angekommen. Seit der Kleine aber einen Wochenendworkshop beim Hündchen belegt hat, zum Thema „Wie versteckt man Dinge so, dass Mama/Frauchen fast verrückt beim Suchen wird“, finde ich gar nichts mehr.

Letztens bin ich auf allen vieren durch die Wohnung und bin wie eine bekloppte dem Klingeln meines Handys nachgekrabbelt. „Irgendwo hier muss es doch sein“, dachte ich, während das Kindchen grinsend vor mir saß und in die Hände klatschte (da soll noch mal einer sagen, dass wir Mütter zu wenig Aufmerksamkeit bekommen) und das Hündchen, mit schiefen Kopf, überlegte ob ich paarungswillig bin. Am Ende fand ich das Telefon im Mülleimer.

Mittlerweile weiß ich schon, wo ich nach was zu suchen habe. Babys Brezenstück hängt meistens im Schlafzimmerteppich, das Trockenfutter vom Hund erscheint mir eh wie die Auslegware einer Yantramatte in unserer Wohnung und wenn ich Geldsorgen habe, dann muss ich nur in die Gummidichtung der Waschmaschine schauen, hier lagert mein Mann sein Kleingeld für schwere Zeiten (so scheint mir).

Montag:

Schade, ich war ein bisschen enttäuscht, als mich die Ärztin schon nach zehn Minuten Warten zu sich reinholte. Ich hatte noch nicht mal die Gala durch und auch mein kostenloses Wasser musste ich zum Schluss exen. Heute ist mein Arzttag und der Mann ist mit Kind und Hund zu Hause.

Nach weiteren (nur) zehn Minuten in Behandlung, habe ich fast schon etwas traurig die Praxis verlassen. Als ich letztens mit Kind dort war, musste ich fast eine Stunde warten und während der Behandlung musste eine Sprechstundenhilfe Junior bespaßen, weil der die Praxis auf Schallschutz testete. Ist es verwerflich nach einem Arzttermin eher langsamen Schrittes nach Hause zu gehen und noch auf dem Weg einen Café to go genüsslich zu trinken? Die Entspannung hielt nicht lange und der Mann rief vom Tierarzt aus an. Das Hündchen wurde auf dem Feld wohl für ein Schaf gehalten und der Hirtenhund wollte ihn, gut erzogen wie er ist, packen und zu den anderen Schäfchen treiben. Leider packte er ihn etwas unsanft und das Hündchen muss genäht werden….aber erst morgen, weil nicht nüchtern und so. Puh.

Dienstag:

Eigentlich hätten wir auch gleich wieder das Babybay Bett aus dem Keller holen können, damit das verletzte Tierchen nicht ganz so viel Platz im Bett einnimmt. Das Wuscheltier darf normalerweise nicht ins Bett, wenn er aber krank oder verletzt ist, kommen meine Muttergefühle hoch und ich habe ein schlechtes Gewissen ihn auf dem Boden zurückzulassen.

Morgens stand ich dann vor dem Rätsel des Tages.

Aufgabenstellung: Du hast ein Baby (das nicht laufen kann), ein verletztes Hündchen (das nicht laufen kann), einen Kindersitz (der schwer ist), eine Handtasche (die schwer ist) und ein Hermes Retourpaket (das dringend heute noch weg muss). Das Auto steht zwei Straßen weiter. Wie gehst du vor?

So eine Herausforderung noch vor dem Mittagsschlaf ist krass. Irgendwie habe ich es dann aber doch geschafft (nicht fragen, war eine Mischung aus Packesel und durchdachter Logik, (Flussüberquerungsrätsel gegoogelt)). Im Wartezimmer der Tierarztpraxis angekommen, ging es ähnlich ausgeflippt weiter. Natürlich war das Wartezimmer voll mit sabbernden Pitbulls und Doggen, die so groß waren, das sie den Jungen, das Hündchen und mich mit einem Happs verschlingen hätten können und man es ihnen nicht angesehen hätte. Der verletzte Wuschel war stark eingeschüchtert und kauerte in einer Ecke. Das einzige was ihn interessierte, war das Ablecken seiner Wunde, was ich seit 14 Stunden ununterbrochen versuchte zu unterbinden. Mein Sohn, ganz das Gegenteil, machte sich schon mal auf dem Weg zu dem grauen Riesentier, mit den finsteren Augen und dem Schaum an den Lefzen.

Die Sprechstundenhilfe kam rein und entschuldigte sich: „Die Ärztin steht leider noch im Stau!“. Die kommenden 30 Minuten kamen mir vor wie 30 Jahre. Das Kind immer wieder von dem Fluffy Hund aus Harry Potter wegziehen, der in seinem Kopf Junior schon mal einen Zweig Petersilie auf den Kopf legte und gleichzeitig unseren Möchtegern Fluffy in Schach halten. Ich war schweißgebadet. Und dann betrat eine ältere Dame mit Kater Ferdinand den Raum…

Das Ende der Geschichte: Die Ärztin kam endlich, das Wuscheltier wurde mitgenommen und drei Stunden später konnten wir ihn wieder zusammengeflickt abholen. Ganz verstört lag er da im Aufwachraum, neben 27 frisch kastrierten Katzen, die wie in einem der YouTube Clips völlig gechillt auf dem Rücken lagen.

Mittwoch:

Seit gestern Abend versuche ich das Kind davon abzuhalten den Hund (mit Halstrichter) auszulachen und ihn zu ärgern. Kinder können so grausam sein. Das arme Tierchen steht da und bewegt sich nicht. Er steht einfach im Gang und rührt sich keinen Zentimeter. Junior hat herausgefunden, dass es total lustig ist, Dinge in den Trichter zu schmeißen oder daran zu ziehen. Recht hat er, sieht ja auch albern aus.

Donnerstag:

Wenn du im Park eine gut gelaunte, stylo-gekleidete Frau mit entspanntem Kind im Wagen und bei Fuß laufenden Hund siehst – ich bins nicht.

Freitag:

Wunderbar, der Junge ist wieder krank, ich habe auch schon einen dicken Schädel auf und das Hundetier leidet immer noch an seiner Verletzung (er ist eben sensibel…und ein Männchen).

Junior hat Schnupfen und das bedeutet, dass ich beim Ins-Bett bringen wieder die Weltmeisterschaftsvorentscheidungschoreo der Cheerleading Mannschaft aus Philadelphia, mit Baby auf dem Arm, vorhopsen musste, damit er einschläft. Als er dann endlich schlief, habe ich versucht so lautlos wie möglich das Zimmer zu verlassen. Ich hielt sogar die Luft an und dann… die Diele knarzt, der Hund bellt, der Mann niest.

Mein Nervenkostüm ist so dünn wie Viktoria Beckham. Liebe Nachbarn, nein, hier wird niemand gefoltert oder gequält. Ich weiß auch nicht, warum nur alleine die Andeutung, dass wir uns gleich für einen Spaziergang fertig machen, zu solch schlimmen Schmerzen, sowohl bei dem Kind als auch bei dem Hund führen. Das Kind bekommt einen Wutanfall, wenn ich ihm die Matschhose inklusive Jacke, Handschuhe, Mütze und Schuhe anziehen will und der Hund jault mir dabei die Oper von Verdi ins Ohr. Da hilft nur Nervenkostüm gegen dickes Fell tauschen – ist eh kalt geworden!

Den Nachmittag verbringe ich in unserer Genusswerkstatt. Der Sohn hat am Wochenende Geburtstag und es muss noch einiges gebacken, gekocht und vorbereitet werden. Nur doof, dass der Ofen jetzt schon aussieht, als wäre er das mukelige Zuhause eines Krustentierchens.

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