Alltag

Meine Woche 5 // Baby on Tour und Mama on Tourette

Der Kleine und ich sind mal wieder in München. Übersetzt heißt das auch, ich darf Junior erst wieder am Abreisetag auf den Arm nehmen, werde jetzt eine Woche seinen kleinen Po nicht pudern, und bin auf kaltem Breireste-Entzug.

Aber noch viel wichtiger ist, das heißt: Mama geht mal wieder aus!
So richtig! Nein, kein Tippfehler, es heißt „aus“ und nicht „raus“.
Ohne Junior, ohne Hund, ohne Ersatzwindel und Kottüte, ohne Tupper mit Reiswaffeln und ohne Apfelscheiben.

Wie immer bin ich viel zu spät dran. Seit Wochen trage ich meinen Sohn, heute sind es rote Lippen. Der Dutt wird zur feschen Steckfrisur, die Bluse wird zugeknöpft und in die Hose gesteckt, noch schnell der weiße (was auch immer, aber bestimmt nix schweinisches) Fleck mit etwas Wasser aus der Jeans gekratzt und die Wimpern auf Rekordlänge getuscht. Bereit, es kann losgehen! Die lange Girls-Nacht – Yeahhhh!
Auf dem Weg zur Bahn stelle ich fest, dass ich meinen Schlüssel vergessen habe, dafür finde ich aber in der Jackentasche vier kleine Fäustlinge von Junior. Beruhigend der Gedanke, dass ich, wenn mir heute Nacht keiner aufmacht, zumindest ein paar meiner Finger vom Frosttod retten kann.
Ich hetze ins Restaurant, mein Blick schweift durch die Menge auf der Suche nach meinen Mädels. Beim Vorbeidrängen an den wartenden Leuten, die auf einen Tisch im Szene Restaurant hoffen (meine Girls hatten reserviert, woop), frage ich mich, was die Plastiktüte in meiner Hand soll. Shit – die schmutzige Windel, die mir meine Mutter noch in die Hand gedrückt hat, damit ich sie entsorge….
Nach dem Essen dann die enttäuschende Erleichterung, die Mädels sind genauso müde wie ich und wir beschließen, es beim Essen zu belassen. Auf dem Nachhauseweg denke ich über mein neues Leben als Mama nach, über die alten, wilden Zeiten, die langen Nächte und meine kleine/ganz große Liebe. Junior denkt wohl auch über mich nach und erwartet mich schon mit viel Rede-und Kuschelbedarf, als ich zu ihm ins Bett krabble.

Zweiter Versuch, einen Tag später schaffe ich es tatsächlich in einen „alternativen“ Club in München. Im Gegensatz zu den Berliner Clubs, ein frisch renoviertes Kellergewölbe mit nachträglich Shabby-Look bearbeiteten Wänden. Mir gefällt’s. Ein Bier in der Hand, die Hüfte etwas kreisen und von einem Bein aufs andere hopsen. Ein ganz ungewohntes Gewühl, ohne meine 12 kg Hantel, die ich sonst im Arm habe wenn ich abends derartige Bewegungen mache. Und auch die Musik ist ein bisschen fetziger als sonst. Lediglich das blau/rot/grün wechselnde Licht, der leichte Geruch nach Pups und der ansonsten so dunkle Raum haben Ähnlichkeit mit meiner gewöhnlichen Nachtlocation – dem Kinderzimmer. Der einzige, der sich dann aber einen hinter die Binde kippt, dürfte um die Zeit eigentlich gar nicht mehr wach sein.

Meine Auszeit in München geht weiter. Oma ist mit Junior im Zoo und ich trinke den dritten Latte Macchiato beim Brunchen mit Freunden. Großartig! Der Kaffee, der noch warm ist, das Brot, das den direkten Weg in meinen Mund findet und nicht, wie sonst, erst einen Abstecher in Juniors Mund macht, zwischen seinen kleinen, weißen Alpenspitzen zermahlen wird, dann auf dem Küchenboden landet bevor es mir am Ende, mit sehr viel Nachdruck und Speichel, in den Mund geschoben wird. Widerstand zwecklos.

Wir sind noch eine Woche hier…

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