Alltag · Tipps und Tests

#momlife Balance – Warum wir nicht mehr versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, und damit viel glücklicher sind

Mitten aus meinem Herzen, geschrieben von Jana.
Gastbeitrag von Jananibe

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Wir beiden haben insgesamt drei kleine Kinder und drei Hunde. Wir arbeiten beide in Jobs, die uns fordern. Jede von uns hat zusätzlich einen eigenen Blog. Gemeinsam betreiben wir außerdem den Videoblog „wowmom.tv“. Wir treffen Freunde und wollen uns selbst verwirklichen. Ach ja, wir haben auch Ehemänner und einen Haushalt. Wahrscheinlich waren wir bisher der Prototyp der perfekten modernen Frau und Mutter. Damit ist jetzt Schluss!

Alles unter einen Hut bekommen – wollen wir das überhaupt?

Mütter wie wir wollen alles gleichzeitig und bekommen es auch. Wir sind emanzipiert und unabhängig, klettern die Karriereleiter hoch und versuchen dabei auch noch liebevolle Mütter und Ehefrauen zu sein. Dank zahlreicher Nachtschichten und der Unterstützung unserer Eltern gelingt uns das auch – irgendwie. Aber wollen wir das wirklich?

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Wir arbeiten hart, um Kinder, Karriere, Liebe, perfektes Heim und uns selbst unter einen Hut zu bekommen. Sitzen oft bis spät in die Nacht, weil das Pensum anders nicht zu bewältigen ist. Wir hetzen von A nach B. Bringen die Kids in die KITA, absolvieren Termine im Job, lassen uns hübsch gestylt auf Netzwerk-Events blicken und organisieren nebenher privaten Krimskrams. Immer unter Strom und natürlich mit dem obligatorischen schlechten Gewissen, weil immer irgendwer zu kurz kommt – und wenn es nur wir selbst sind. Zwischen Familienchaos, Karrierewahnsinn und Freizeitstress reiben wir uns auf und fragen uns, wie wir das alles schaffen sollen?

Vereinbarkeit oder Mehrfachbelastung?

Was wir erst jetzt begreifen: Vereinbarkeit entpuppt sich in der Praxis zunehmend als hübsch verpackte Illusion. Vor allem für uns Frauen ist sie eher eine Mehrfachbelastung! Denn seien wir ehrlich: die Heimchen-am-Herd-Ära ist noch lang nicht vorbei. Nur dass wir Mütter jetzt zusätzlich auch noch Kohle ranschaffen. Isso!

Die Wahrheit über faire Arbeitsteilung und Gleichberechtigung

Wir mögen schicke Business-Klamotten tragen und morgens brav ins Büro gehen, aber Haushalt und Kinder bleiben immer noch hauptsächlich an uns hängen. Laut Väterreport von 2016 teilen sich nur 14 Prozent der Paare Haushalt, Erziehung und Beruf fair auf.

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Berufliche Verpflichtungen unserer Ehemänner haben nach wie vor ganz selbstverständlich Priorität. Wir Frauen verdienen im Durchschnitt ja auch 21% weniger. Partnerschaftliche Arbeitszeitmodelle? Gleiche Karrierechancen für alle? Eher die Ausnahme. Macht wirtschaftlich leider auch keinen Sinn, wenn man am Ende weniger Geld in der Täsch hat, nur weil frau sich im Job „selbstverwirklichen“ möchte.

Hinter gelungener Vereinbarkeit stecken gute Organisation und Effizienz! Really?!

Auch wenn wir alle so tun möchten, als sei Gleichberechtigung längst kein Thema mehr, sind wir plötzlich doch wieder mit veralteten Rollenmustern konfrontiert, sobald Kinder ins Spiel kommen.

Dazu kommt, dass uns die Familienpolitik immer wieder in den Rücken fällt. In Deutschland fehlen rund 300.000 Betreuungsplätze. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, die Dunkelziffer ist viel höher. Auch uns persönlich betrifft die KITA-Krise. Arbeiten ohne KITA-Platz? Wie soll das denn funktionieren?

Mütter, die gut organisiert sind, bekommen das doch alles spielend unter einen Hut. „Effizienz ist das Stichwort!“, wird uns eingeredet. Ähm, Entschuldigung: der Hut ist leider zu klein, die Tage zu kurz – und übrigens auch die Nächte. Die Herausforderung, Familie, Beruf und eigene Bedürfnisse auf Biegen und Brechen in den Alltag zu quetschten, scheinen immer noch vor allem wir Frauen meistern zu müssen.

Die Vereinbarkeitslüge: eine Milchmädchenrechnung!

Partnerschaftliches Vereinbarkeitsdenken? Mehr Zukunftsvision, als Fakt. Wer rechnen kann, wird feststellen, dass Vereinbarkeit, wie wir sie gerade leben – nämlich einseitig -, eine Milchmädchenrechnung ist. Sie geht nicht auf. Zumindest nicht für uns. Autsch!

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Die Erkenntnis tut weh. Und auch die Einsicht, dass wir Working Moms oft gar nicht so emanzipiert sind, wie wir denken. Partnerschaftliche Vereinbarkeit steckt noch in den Kinderschuhen und wir sind schwer damit beschäftigt, uns diese Stück für Stück zu erkämpfen. Dabei sind wir auch auf die Unterstützung unserer Arbeitgeber angewiesen, die Vereinbarkeit für Familien, also Mütter und Väter gleichermaßen, möglich machen müssen.

Wie geht es uns und unseren Kindern eigentlich wirklich mit diesem Vereinbarkeitswahnsinn?

Bei all den großen Debatten um Emanzipation und Vereinbarkeit vergessen wir nur zu gern, dass irgendwo unsere Kinder sitzen und auf uns warten. Und was könnte wichtiger sein, als unsere Kids? Unser Ego? Oder dass wir das perfekte Bild der modernen, emanzipierten Frau verkörpern? Ganz egal, wie es uns dabei geht? Oder unseren Kindern? Drauf geschissen! Was zu viel ist, ist zu viel. Das ist nicht die Art von Vereinbarkeit, die wir leben möchten. Wir haben keinen Bock mehr auf täglichen Overkill oder den viel beschriebenen Mama-Burnout, weil wir irgendwann unter der Last zusammenbrechen.

Wir schließen unseren Videoblog „wowmom.tv“ und beenden unsere Podcast-Kooperation mit „MeinSpatz“

Deshalb haben wir uns entschieden, uns selbst nicht mehr so unter Druck zu setzen. Denn eigentlich wissen wir gar nicht wofür. Stattdessen möchten wir die wenige Zeit, die wir für uns selbst, unsere Kinder und Partner haben, wieder genießen. Ohne tausend unerledigte Aufgaben im Hinterkopf, die uns stressen.

Nach und nach verabschieden wir uns von diversen Projekten und To-dos wie unserem Videoblog „wowmom.tv und unserem Mama-Podcast in Kooperation mit „MeinSpatz“.

Mütter sind keine perfekt durchorganisierten Roboter – und das sollten sie auch nicht sein müssen!

Versteht das nicht als Appell ans Aufgeben oder als gescheiterten Vereinbarkeitsversuch. Versteht es als Aufruf, zu tun, was ihr selbst für richtig haltet – entgegen allem Druck von außen. Was wollen wir wirklich? Was bedeutet für uns Erfolg? Glück? Wie können wir uns individuelle Lebensmodelle schaffen, die wirklich funktionieren?

Wir sind Menschen. Wir sind Frauen. Wir sind Mütter. Keine perfekt durchorganisierten Roboter, die bis spät in die Nacht versuchen müssen, irgendeinem völlig überzogenen Frauenbild gerecht zu werden. Lasst uns mal einen Gang runterschalten. Und gemeinsam mit unseren Partnern überlegen, wie dieses ganze Vereinbarkeitskonstrukt fairer gestaltet werden kann.

Vielleicht sind wir alle ein bisschen glücklicher und zufriedener, wenn wir nicht mehr versuchen, immer alles zu schaffen. So what! Denn es ist an der Zeit „Familie und Vereinbarkeit“ neu zu erfinden. Auf geht’s!

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Vielen Dank Jana für diesen wunderbaren Beitrag!!

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