Reisen ohne Baby

Adults Only – Mami und Papi müssen mal kurz Tschüss sagen

Processed with VSCO with hb2 presetDie Sonne brennt auf meine Haut. Ich blinzle aus meinen Augen, aber die Sonnenreflexion im Pool blendet mich und ich kneife sie schnell wieder zusammen. Urlaub – wie habe ich dich vermisst! Wie lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen (zumindest in der Konstellation)? Schlafen, essen, entspannen, lesen, abhängen, keinen Brei ins Gesicht bekommen und nicht Gassi gehen. Ein Luxus, den man sich als Neumami und Hundefrauchen nicht mehr allzu oft leisten kann.

Seit über einem Jahr dreht sich alles ums Schwanger sein, Baby Bekommen und Baby Großziehen. Das ist wunderbar und erfüllt mich mit Lebensfreude, Glück, Zufriedenheit und Stolz. Ich habe mich nie vollkommener gefühlt als jetzt, aber ich brauche mal kurz ein paar Tage ohne den Kleinen und den großen Stinki. Einfach mal wieder ein paar Tage wie früher, als man mit einem Gefühl der Freiheit und Leichtigkeit durch das Leben ging. Keine Verpflichtungen, keine Verantwortung, einfach nur entspannen.

Das ist einfach nicht meine Zeit

Heute Morgen um 4 Uhr stand das Taxi vor der Tür. Es geht nach Rhodos. Eine Freundin hat mir das Hotel sehr empfohlen und schon beim Anschauen der Website dachte ich, genau da will ich hin. Genau da will ich meinen After-Baby-Body (keine Schwangerschaft geht spurlos am Körper vorbei) in der Sonne wälzen und einfach sechs Tage nichts anderes machen als essen, schlafen, entspannen und vor allem mal wieder Pärchen sein. Ich glaube alle Eltern können das nachvollziehen. „Aber wie schaffst du das?“, fragen mich viele meiner Mami-Freundinnen. Wie kann ich einfach ohne mein Kind in den Urlaub fliegen? Aber wenn ich darüber nachdenke ist die Antwort: Einfach machen! Natürlich fehlt er mir, natürlich denke ich ununterbrochen an ihn und natürlich zähle ich die Tage bis wir uns wiedersehen – aber bis dahin kann ich auch mal bis zehn Uhr morgens schlafen, den ganzen Tag am Pool liegen und einfach mal egoistisch sein.

Der Hund macht Urlaub in der Huta (Hundetagesstätte), das Kind macht Urlaub bei der Oma in München und Mama und Papa im neuen Bohemien Style Hotel Casa Cook auf Rhodos.

Das Abenteuer Urlaub kann beginnen

Um halb sechs morgens ging der Flieger nach München, dort am Flughafen wurde Baby an Oma übergeben und für uns ging es dann direkt weiter nach Rhodos. Auf dem Flug von Berlin nach München war Junior noch sehr verschlafen und anhänglich. Er ist einfach ohne Meckern, ohne irgendwas in meinem Arm eingeschlafen (ich glaube das hat er das letzten Mal mit drei Monaten gemacht). Seinen Atem unter meinen Händen zu spüren, sein kleines Schnaufen zu hören, seinen entspannten Gesichtsausdruck zu sehen – ich war so hin und weg. Ich saß da wie der schiefe Turm von Pisa und versuchte das Pritzeln vom einschlafenden Arm zu ignorieren. In dem Moment war mir alles andere egal. Mit Junior noch mal so zu schmusen, war das beste Abschiedsgeschenk überhaupt.

Auf Rhodos angekommen schnappten wir uns unseren Mietwagen, der wesentlich günstiger kommt als einen Shuttle Service zu buchen und fuhren die dreißig Kilometer nach Kolymbia. An unserem Hotel angekommen stand ich dann kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Man teilte uns mit, dass unser Hotel überbucht ist und wir in einem anderen Hotel untergebracht werden.

Meine Welt brach zusammen!

Ich hatte mich doch so auf diesen Urlaub gefreut und eigentlich war auch nur das Hotel der Grund für die Reise nach Rhodos. Ich war schon einmal vor 15 Jahren auf Rhodos. Damals mit meiner besten Freundin, ihrem Vater und meiner Mutter. Wir waren jung und hatten das bescheuerte Ziel unsere Eltern zu verkuppeln, damit wir nicht nur beste Freundinnen sind, sondern auch Schwestern werden. Der Urlaub endete damit, dass ihr Vater und meine Mutter sich im Restaurant anschrien (ich weiß leider den Grund nicht mehr, aber es war extrem peinlich) und für den Rest des Urlaubs nicht mehr miteinander sprachen. Das machte wiederum den Urlaub für meine Freundin und mich schwierig und hing uns noch eine Weile nach. Also ist Rhodos jetzt nicht unbedingt mein Traumziel gewesen.

Viel Geld für die Hundebetreuung ausgegeben, viel Überwindung und Herzschmerz das Kind zurückzulassen und nun soll ich in ein „Ersatzhotel“?

Am liebsten wäre ich der Dame in Beige an die Gurgel gesprungen. Eins der Dinge, an die ich mich immer kurz vor dem Ausrasten erinnere, ist der Rat meiner Mutter: „Taktik Kind, sonst kommst du nicht weiter. Niemand will jemanden einen Gefallen tun, der nur motzig und pampig ist.“ Wo sie Recht hat… Gut, also habe ich es mit der „Honeymoon-Taktik“ versucht und die kann ich tatsächlich sehr empfehlen. Man muss einfach nur erzählen, dass man frisch verheiratet ist. In manchen Fällen geht der Plan nicht auf, weil das Hotel die Eheurkunde sehen will, aber bei uns hat es funktioniert. Das engagierte Hotelpersonal versuchte also alles, um unsere „Flitterwochen“ nicht den Bach runtergehen zu lassen und schickten uns für eine Nacht in ein Ersatzhotel, ehe wir dann an Tag zwei in unser eigentlich gebuchtes Hotel ziehen konnten.

Durch meine herzzerreißende Geschichte von der Hochzeit, dem anstrengenden Jahr als Mutter und unserem ersten Urlaub als Neueltern ohne Baby, hatte man uns in ein fünf Sterne Plus Hotel gebucht mit Upgrade. Tür geht auf, 60 qm Suite mit eigenem Infinity Pool und Meerblick. Schampus, Erdbeeren mit Sahne, ein Obstteller und eine Flasche Wein inklusive. Und damit das Kitsch-Märchen perfekt ist, ist alles mit Rosenblättern ausgelegt. Puh!

Ok, vielleicht würde ich dann doch gerne die ganzen sechs Tage in meiner Privat-Pool-Villa bleiben

Also Handtuch raus und ab auf die Liege, Privatpool und das Meer im Blick und den Rechner auf. Endlich habe ich Zeit, Zeit zu schreiben, Zeit alles nachzuholen was sich so in meinem Kopf angesammelt hat. Aber womit fange ich an? Ich klappe den Rechner auf und mir sticht sofort der Ordner „Baby 1-2 Monate“ ins Auge. Ach, nur ein kurzer Blick. Und anstatt zu schreiben und die Zeit zu nutzen, sitze ich im Urlaub und schaue mir Baby Fotos von meinem Knirps an.

Nach einer großartigen Nacht mit viel Schlaf ging es heute in das andere Hotel. Und mein Meckern von Tag eins wurde belohnt. Ich hatte ja schon fast ein schlechtes Gewissen, da ich meinen Mann um seinen Privatpool gebracht habe. Das neue Hotel: Boho Style, alles sieht hier so aus wie auf diesen überfilterten, weißen, mit Körben, Kakteen, Wandteppichen und Kissen dekorierten Bildern auf Instagram. Die Leute hier: im Durchschnitt um die dreißig, tätowiert, hippe Klamotten, coole Ausstrahlung. Nicht zu vergleichen mit dem Hotel-Bunker von heute Morgen, wo ich mich hinter 20 eher älteren Herrschaften anstellen musste um meinen semi-gut-schmeckenden Pancake zu bekommen und der Mann einen Rentner im Schneckentempo auf der Überholspur des Buffets streifte und der Kaffee auf beide schwappte.

Es ist super im neuen Hotel. Mein, zugegeben etwas hinterher hinkendes, Glitzer-Sommer Tattoo aus der Mai-Ausgabe der Glamour Zeitschrift auf meinem Handgelenk passt zu meiner Boho angehauchten Tunika von Zara, die ich heute zum ersten Mal trage, aber schon seit zwei Jahren im Schrank hängen habe. Man isst im Szenerestaurant, das so aussieht als wäre man in Kreuzberg auf einer angesagten Vernissage Party eingeladen. Oh ich möchte hier nicht mehr weg!! Jede Ecke des Hotels lädt dazu ein, ein Foto zu schießen und tatsächlich hängt hier fast jeder in seinem Smartphone.

Aber es ist Urlaub Leute, jeder kann machen was er will, juhu. 

Unabhängig von diesem Sechser im Lotto, was das Hotel angeht, finde ich es super wichtig mal wieder ein paar Tage für mich und meinen Mann zu haben. Einfach mal wieder das verliebte Pärchen zu sein und nicht die von Kind und Alltag gestressten Eltern. Ich finde, wir sollten uns vornehmen das einmal im Jahr zu machen. Das Nervenkostüm wird frisch gewaschen, alles wird heruntergefahren und neu gestartet.

Ich bin jahrelang mit dem Rucksack gereist und habe in abenteuerlichen Zelten, coolen Apartments und großen Hotels geschlafen. Wer als junger oder jung gebliebener auf der Suche nach einer modernen, luxuriösen Unterkunft ist, ohne in eines dieser charmlosen Hotelbunker der Neunziger einzuchecken zu wollen, ist im Casa Cook genau richtig. Noch ist diese, durchaus bezahlbare Adults Only-Unterkunft ein Geheimtipp, aber der Überbuchungsfail zeigt, dass immer mehr auf den Geschmack von Luxus mit besonderen Ambiente, für den mittelgroßen Geldbeutel gekommen sind.

Schreibe mir gerne einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s