Alltag

Meine Woche 42 // Schnupfen Olé

Jeden Freitag einen Auszug aus unserem Alltagsdschungel.

Samstag, 16. Oktober

14 Uhr: Bin jetzt auch bei Twitter. Mein erster Post und meine Profilbeschreibung: Mama von einem haarigen und einem nicht haarigen Baby, mit ständigem Ohrwurm von „you drive me crazy“ und dem dringenden Wunsch nach Schlaf.

16 Uhr: Irgendwie hat keiner meinen ersten „Tweet“ geliked. Fühle mich unbestätigt und habe den Account wieder gelöscht.

Sonntag, 17. Oktober

Morgens hätte ich gerne einen Baseball Helm auf, wenn ich meinen Sohn zum „schmusen“ ins Bett zu uns hole. Es ist einfach großartig um viertel vor sechs ein Babyphon an die Schläfe geknallt zu bekommen. Aber ich bevorzuge sogar fast eine Avent Kopfnuss, als ein Biss in die Backe mit dem Junior sich als neuer Drakula in Hollywood vorstellen könnte.

Montag, 18. Oktober

Warum habe ich nicht so viele Arme wie ein Oktopus?

Es regnet und ich bin mit Kind und dem Hund spazieren. Ich brauche mehr Hände! Eine Hand die den Schirm hält, eine die den Kinderwagen schiebt, eine die dem brüllenden Kind ein Apfelstück reicht, eine die den wasserscheuen Hund aus dem Hauseingang zieht, eine die mein Handy aus der Tasche kramt und dem Mann antwortet „nein, Hund hat kein Durchfall mehr“, eine die dem DHL Mann zurück winkt und am besten zwei, mit denen ich mir an die Stirn fassen kann.

Dienstag, 19. Oktober

Nachdem ich gestern dem Hund das Wasserfläschchen gereicht habe und grade dem Kind ein Leckerli nach dem Spaziergang anbieten wollte, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass Urlaub mal wieder gut täte.

Es geht nach München. Oma hat Sehnsucht nach ihrem Enkel und Mama nach Schlaf und zweihändig zu essen.

Mittwoch, 20. Oktober

Mit dem Flugzeug fliegen, kennen wir ja mittlerweile. Dutzi-Dutzi von allen anderen, Kekshändeabdruck auf allen anderen und ein bisschen gemotze für alle anderen. Nein, eigentlich war es echt gut. Der Flieger hatte wieder eine Stunde Verspätung und so musste ich Junior versuchen, am überfüllten Gate, in der Trage einzuschläfern. Ich hatte mir die hinterste Ecke ausgesucht, fühlte mich dennoch von den Blicken der anderen genauestens beobachtet.

Klar, die Galas und Bildzeitungen waren langsam ausgelesen

Das Warten auf den Flieger öde genug. Da war eine quer durch den Raum hopsende Mutti eine willkommene Ablenkung. Ja, unser Sohn schläft nur, wenn es richtig wackelt. Also nehme ich ihn in die Trage, eine Hand unter seinen Po um effektiver zu hopsen, die andere Hand stützt den Kopf ein bisschen und dann geht die Aerobic Stunde für Senioren los. Ich hüpfe von einem Bein auf das andere. Ab und zu ist sogar ein schnelleres Hopsen im Joggingschritt drin. Ich stehe also in der Ecke und hüpfe, wackle, shakere und drehe mich wie wild. Das ganze wird dann noch von einem entspannten, aber selbst noch am Gate 18 zu hörendem „ahhhhhhhhh“  meines Sohnes gekrönt. Er macht dieses Geräusch immer zum Einschlafen. Es ist das „aaaahhhhh“, das Kinder gerne machen, wenn sie über Kopfsteinpflaster fahren.

Selbst der Businessmann in der hintersten Reihe guckt kurz von seiner Süddeutschen Zeitung hervor, um dann stirnrunzelnd an seinem Starbucks Becher zu nippen und sich wieder dem Börsenteil der Zeitung zu widmen. Einige vorbeigehende Leute werfen mir einen verständnisvoll lächelnden Blick zu. Ich nehme an, dass das Eltern sind, die ähnliche Schwierigkeiten und Eigenarten beim Babyeinschläfern kennen, andere wundern sich, schauen schnell weg und gehen mit rechter, hochgezogener Augenbraue an uns vorbei. Mir bleibt nichts anderes übrig, als sie zu ignorieren und mich weiterhin mit den Füßen tippsend auf und ab zu bewegen. Nach ca. 20 Minuten ist es geschafft. Er schläft.

Im Flieger angekommen hat es 105 Grad und ich merke, wie mein Sohn sich in der Trage zu einem Feuerball auf meiner Brust entwickelt. Beim Versuch ihn auszuziehen wacht er natürlich auf. Der Flieger ist noch nicht mal gestartet. Also doch wieder die Spielsachen, ganz viel Essen und wickeln im Board-Handschuhfach Methode.

(siehe auch Fliegen mit Baby)

Nach dem Start kühlte der Flieger auf gefühlte -105 Grad ab und ich hätte den spätestens morgen kommenden Schnupfenviren eigentlich schon mal ein frisches Bett beziehen können.

Donnerstag, 21. Oktober:

…Natürlich kam es wie es kommen musste und nach exakt 12 Stunden in München war die Nase meines Sohnes so voll, wie die A8 am ersten Ferientag.

Gut, das ich die Nasen Frieda mitgenommen habe. Einen Nasensauger für Babys. Die eine Seite legt man an Babys Nase an, sieht aus wie die Spitze eines Kugelschreibers ohne Innenleben und dann kommt ein durchsichtiger Schlauch. Das andere Ende ist wie das Endstück einer Trillerpfeife und kommt in Mamas Mund. Dann kräftig ziehen und der Schleim aus Babys Nase wird aus der Mikro-Mini-Nase des Sohnes in die leere Kugelschreiberampulle gezogen. Ich hatte erst mächtig Respekt vor dieser Gerätschaft, kann aber ihre Funktion nur loben und bin der Nasen Frieda für ihre Existenz sehr dankbar.

Freitag, 22.Oktober:

Die zweite Nacht war dank des mittlerweile fortgeschrittenen Schnupfen eine Katastrophe, also entschied ich mich mit meinem Sohn im Bett zu schlafen. Man stellt sich das immer so süß und kuschelig vor. Mama und Baby eng umschlungen, Nase an Nase, das Baby spürt die Wärme und Liebe der Mutter, seine kleinen Füßlein liegen sanft auf Mamas Bauch, Baby atmet friedlich und entspannt.

Pustekuchen, mir sterben alle Gliedmassen ab

Ich habe kaum die Möglichkeit mich zu bewegen, Baby atmet nicht friedlich und entspannt, sondern schnauft eher wie ein 5 Tonnen Elefanten, der Touristen bei 40 Grad durch den Thailand Dschungel trägt. Auch mit Nase an Nase ist nichts. Ich bekomme die Gelegenheit im 30 Sekunden Takt ein anderes Körperteil meines Sohnes im Gesicht auszuprobieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er trotz Schnupfen und seiner Helikopterbewegungen eine ganze Schippe mehr Schlaf abbekommen hat als ich.

Der Sohn ist also krank ich fühle mich wie frisch gecastet für die Grusel Besetzung von Walking Dead. Meine Beine laufen unkoordiniert, meine Augen sind so schwer als würde ein Schwertransporter mit Anhänger gerade zum Ausladen von Betonpfeilern darauf parken und eine Durchsage in der Kommandozentrale in meinem Hirn ruft: „Dies ist keine Übung, bitte legen sie sich hin und schließen Sie die Augen!“ Ich fühle mich, als hätte ich zwei Promille und müsste versuchen „total nüchtern“ zu wirken.

Gott sei Dank endet die München Woche mit einem zweitägigem Mädels-Wochenende im Zillertal. Das enge Nervenkostüm wird gegen einen flauschigen Bademantel getauscht, Breireste gegen eine deftige Jause und für zwei Tage darf die Oma, 76 Mal pro Tag, Junior die Socken wieder anziehen.

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