Alltag

Meine Woche 1 // Neues Jahr, alte Probleme 

Freitag:

Wir machen das Kind glücklich, den Mann, den Hund und vielleicht sogar den Chef.
Wir sind Profis im Klötzchen-Turm bauen, die schnellsten auf der Rutsche, die Animateure im Krabbelkurs, gesunde Köchinnen und ein spitzen Aufräumkommando. Aber manchmal ist weniger mehr und die Keksreste in der Sofaritze einfach egal. Auch der Wäscheberg kann noch bis morgen um einen Body weiter wachsen und die Reste von den Spagetti gestern, tun es auch heute Abend noch. Einfach mal von dem Gedanken lösen, man könnte es nicht gut genug oder nicht allen Recht machen.

Einfach mal nichts tun!

Das Baby macht Mittagsschlaf und Mama sollte das auch tun. Was bringt es, wenn wir so müde sind, dass wir dem Hund den Schnulli zwischen die Schnuffel stecken, dem Kind einen Wassernapf vorsetzen oder die Milch auf den Toast schütten? Was bedeutet schon ein abgehängter Wäscheständer, wenn man schlafen könnte?

In diesem Sinne, ein Frohes Neues auch von uns noch mal. 

Samstag:

Seit Weihnachten geht meine Vorstellung von einer schön eingerichteten Wohnung und der Spielzeugbestand meines Sohnes getrennte Wege.

Sonntag:

Der Mann hat frei, d.h. ich konnte mich mal um dringende Angelegenheiten kümmern, wie den Fußsack im Kinderwagen säubern und den 4 kg Brezenreste die Möglichkeit bieten, draußen weiter zu schimmeln und nicht zwischen dem Lammfell, der vermissten grünen Socke und den 4 Trinkflaschendeckeln.

Montag:

Zuhause in meiner Tasche ein Dutzend Legosteine aus dem Spielcafé gefunden…früh übt sich. Upps.

Dienstag:

Was der Hund und das Kind gemeinsam haben:

  • Komische Frisur
  • Unkontrollierte Ausbrüche
  • Nicht die Einsicht, dass ICH der Chef bin
  • Weltmeister im „Nein“-Ignorieren
  • Beide kann man mit einem Rascheln zu sich locken
  • Werden ganz wuschig, wenn ich die Spülmaschinenklappe öffne
  • Heulen vor der Tür, wenn ich aufs Klo gehe
  • Kauen gerne an Bauklötzen
  • Ich mache täglich ihre Kacke weg
  • Mantraartig kann ich wiederholen „Hör bitte auf die Couch abzulecken“

Mittwoch:

Meine drei größten Lügen:

  • Das machen wir nie wieder
  • Wenn ihr nicht aufhört, gehen wir nicht in den Park
  • Ich sag’s nicht noch einmal.

Donnerstag:

Junior ist ein Schlitzohr. Er hat es mit einem Jahr, schon faustdick hinter den Ohren und weiß Mama und Papa gekonnt auszuspielen.

Es ist verhext.

Diese Missgunst, wenn der Mann die Nacht-/ Morgenschicht hat und das Kind durch- und ausschläft. Heute war wieder eine Mama-Nacht, d.h. ich stand viermal an Juniors Bett…

Jedes mal, wenn er wieder einschläft, halte ich die Luft an, nutze den nächsten vorbeifahrenden LKW um mit dem Vorbeifahr-Geräusch zur Tür zu huschen, über die Dielen zu schweben (tagsüber optischer Segen, nachts grausamer Fluch), lege mich wieder in mein Bett und in dem Moment, wenn meine Füße gerade wieder warm geworden sind und ich mollig in Flanell eingeschlafen bin, schallt das Babyphone…

Kommt es mir nur so vor oder schnarchen Mann und Hund in dem Moment noch intensiver? Ist es grausam als Mutter in solchen Momenten zu stöhnen, und das Kind zu verfluchen?

Es ist so traurig, wenn es draußen noch dunkel ist!

Hilft alles nichts, wenn er anfängt mir die Brille von der Nase zu ziehen, mit seinem kleinen Finger in meinen Mund zu picken und mit einem erleichternden Drücken seine Atom-Windel füllt, dann weiß ich, alle Tricks sind vergebens, wir können nun in die Küche ziehen und ich lege mir meine Kaffeesonde.

Freitag:

Schon mal mit Kind Bus gefahren?
Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist schön*. Den Erfinder dieses Liedes würde ich gerne mal in den M41 setzen. Ich weiß nicht wieso, aber ich bin heute auf die glorreiche Idee gekommen, mit Junior und dem Bus, in die Mall zu fahren.

Gefühlt hatten diese Idee 60% der Berliner und alle haben sich auf Nett-Werk Berlin im M41 verabredet.  

45 Sitzplätze, 106 Stehplätze, Platz für zwei Kinderwägen und einen Rollstuhlfahrer. Lässt man den Rollstuhlfahrer weg, sind es drei Kinderwagenplätze. Woop, woop!

Das bedeutet, dass die BVG davon ausgeht, dass auf 154 Personen nur maximal drei Babys im Kinderwagenalter mitfahren. Hä? Wie kommen die darauf? Und vor allem, wie kommen die darauf, wenn es sich dabei um die Linie M41 von und nach Neukölln handelt. Die durchschnittliche Kinderzahl liegt in Neukölln bei 1,9 Kindern pro Familie, was mit Abstand die höchste von allen Bezirken ist.

„Einer geht noch, einer geht noch rein“

…war der Ohrwurm, den ich auf der 25-minütigen Fahrt in meinem Kopf hatte und „bitte schlaf weiter, bitte wach nicht auf und bitte bekomme jetzt keinen hysterischen Anfall“ war der hypnotisierende Spruch, den ich telepathisch versuchte, meinem schlafenden Kind im Kinderwagen in sein kleines Köpfchen zu schicken.

Jeder Zentimeter in diesem Bus wurden durch kollektives Gedrücke, platzsparendes Aneinanderstehen und unfreiwilliges Gekuschle ausgenutzt. Man musste die Luft anhalten, um überhaupt Platz zum Atmen zu haben, was bei dem Geruch aus Körperausdünstungen eh nicht zu empfehlen war. Die Heizung des Busses schickte dann, das letzte bisschen Sauerstoff durch die Heizlüftung und pustete es mit gefühlten 51 Grad und 40% Dieselanteil zurück in die finnische Sauna auf Rädern.

Ach ja, und dann waren da noch die vier Kinderwägen (an der dritten Haltestelle wurden es fünf). Aber hey, kann man es der hochschwangeren Frau mit Zwillingswagen verübeln, dass sie sich noch mitreingedrückt hat? Ihr vielleicht nicht, aber dem jungen Pärchen mit der Ikea-Kommode. Ich schwor mir nie wieder Bus zu fahren, wie man sich am 1. Januar schwört, nie wieder Alkohol zu trinken.

*Nachtrag: Der Mann liest gerade, Nüsse kauend, auf der Couch, „Meine Woche 1“ und meint: „Heißt das nicht Seefahrt?“ Hmm! Upps! Wo er Recht hat… Das passiert mir tatsächlich öfter mit Sprichwörtern, Witzen oder Redewendungen. #smile

3 Kommentare zu „Meine Woche 1 // Neues Jahr, alte Probleme 

    1. Liebe Mission-mom, das mit dem schlechten Gewissen kenne ich gut und tatsächlich muss ich mich oft selbst zu meiner Empfehlung von oben zwingen. Ich habe für mich entschieden, nur noch einmal am Tag aufzuräumen (z.B. abends bevor der Mann die Haustüre nicht aufbekommt, weil sich acht Lego-Steine verkeilt haben). Ich wünsche dir einen schönen Abend :-)

      Gefällt 1 Person

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