Alltag

Meine Woche 40 // An Tagen wie diesen

„Niet müde!“, schallt es um 21:24 Uhr aus dem Babyphone. 

Man liebt seine Kinder, aber wenn nach Feierabend die gelben Lichter am Apparat hochschnellen, treffen sich die Blicke zweier Menschen auf der Couch. Der eine hat ein Baby im Arm, der andere den Hund. Der eine wippt mit verschränkten Beinen hin und her, der andere fordert den Hund immer wieder auf, die Couch nicht abzulecken. Von der neuen Krimiserie bekommt hier eh keiner was mit. Blicke treffen sich, eine kurze Geste mit der Augenbraue und ein kleines, aber tief enttäuschtes Augenrollen, gefolgt von einem geräuschvollen Ausatmen und Aufstehen einer der beiden Personen.

Der Zweijährige schläft seit ein paar Tagen in seinem neuen supi-angesagten-großes-Kind-Bett (ohne Gitterstäbe) und es kann passieren, dass einem bei schummrigen Licht auf dem Gang eine ein Meter hohe Gestalt in einem weißen, langen Daunensack entgegentorkelt. Meine Güte, bin ich das erste Mal erschrocken.

Gar nicht so einfach, Junior, der sich mitten in der Trotzphase befindet und täglich Grenzen austestet, beizubringen, dass er jetzt der Große ist. „Nein“ – das neue Lieblingswort der Stunde. Ganz einfach auch mit der Frage zu testen, ob er nicht mal selbst laufe kann, als immer getragen zu werden.

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Plötzlich braucht er auch einen Schnuller, obwohl er nie einen hatte und es wird wieder so viel Milch aus Fläschchen getrunken, dass es sinnvoll wäre, das Auto zu verkaufen, und eine Kuh in die Garage zu stellen. Zu fünft (inkl. Hund) passen wir eh nicht mehr in den Kombi, weil wir für einen Tagesausflug mehr einpacken als Helene Fischer, die auf Welttournee geht.

Viel schwieriger ist es, mein schlechtes Gewissen in den Griff zu bekommen. Beiden Kindern gleich viel Aufmerksamkeit zu schenken ist so unrealistisch, wie dass der Hund endlich aufhört den netten DHL Mann anzubellen, der täglich mit einem mitleidserfüllten Lächeln, mein morgendliches Outfit mustert (was sich in 7 von 10 Fällen auch über den Tag nicht ändert). Mit einem Kind ist es schon schwer seinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen. Mit zwei Kindern ist nicht mal mehr die Zeit, die Worte „eigene Bedürfnisse“ auszusprechen, ohne, dass einer die Hose voll, den Magen leer oder Langeweile hat.

Eben hatte ich zum Beispiel einen super Blogbeitragseinfall im Kopf, und dann kam Junior und musste mir was gaaaanz Wichtiges zeigen. Ok, der Popel war beachtlich, aber mein kreativer Einfall war dahin. Vermutlich können nur Katzen, die ihren Besitzern Mäuse bringen, den Stolz des 2-Jährigen nachempfinden, mit dem er mir den Popel geschenkt hat.

Das Leben als Zweifachmama – mit einem Spuckbaby und einem 2-Jährigen, der mir neuerdings auf der Wickelkommode beim Strumpfhosehochziehen sein Spielgeld in meinen Ausschnitt schmeißt. Noch nie war etwas so anstrengend und so wunderbar zugleich.

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2 Kommentare zu „Meine Woche 40 // An Tagen wie diesen

    1. Das freut mich, danke! Das Gute ist, dass ich auch immer wieder darüber lachen kann (nicht in der Situation aber gefühlt ein paar Tage und ein Glas Rotwein später) :-) Einfach immer wieder den pädagogischen Lieblingssatz wiederholen „Es ist nur eine Phase“. ….und langweilig wird’s dafür nie! Schönes Wochenende euch!

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