Alltag

Meine Woche 46 // Kita Frust 

Freitag!!! Es gibt wieder Alltagsgedudel…

Nachtrag vom Freitag: 

An dieser Stelle will ich auch noch mal dem Geburtstags-Überraschungsgast -dem Schnupfen- danken, ohne dem diese unvergessliche Nacht nie zu der geworden wäre, die sie war. Mein Sohn hatte sich dann nämlich doch entschieden, lautstark in seinen ersten Geburtstag reinzufeiern. Und weil ich natürlich alles dafür tue eine gute Mutter zu sein, konnte ich ihm auch diesen Wunsch nicht abschlagen. Von 3 Uhr nachts (in der Berliner Nachtszene geht’s ja eh erst ab 2 Uhr richtig los), bis in die Morgenstunden „feierten“ wir also eine herrliche Pyjamaparty. Von mir gab es Gesang, während Junior kreischte und mit den Händen wild wirbelte (zum Gesang?!). Die meiste Zeit standen ihm sogar die Tränen in den Augen -bestimmt vor Rührung. Natürlich musste auch immer wieder ein Locationwechsel her, man will ja nichts verpassen. Wir starteten also in der VIP-Lounge seines Zimmers, zogen dann weiter in den Family Club, kurzer Abstecher zur Couchsurfing-Party und am Ende ließen wir die Feier in dem Raum ausklingen, in dem man sonst nur mit Gästeliste reinkommt. Es war zum Schreien….

Samstag: 

Welches Sternzeichen hat dein Sohn? Er ist Rotzbär.

Sonntag: 

Ich kann es nicht glauben, ich habe geschlafen und dann sind meine Augen einfach so, ganz von alleine, aufgegangen. Ich hatte einfach fertig geschlafen. Irres Gefühl! Der Grund: meine Mutter ist da. Liebe Mama, wenn ich ähnliche Schlafgewohnheiten wie mein Sohn hatte, dann möchte ich dir an dieser Stelle mal kurz sagen, danke fürs Behalten ;-)

Ich sitze also am Frühstückstisch und die Wohnung ist ungewohnt leise. Der Mann ist mit dem Hündchen joggen und meine Mutter ist mit ihrem Enkel in der Kirche. Jep, in der Kirche! Wir hatten gestern einen Brief unserer Gemeinde in der Post und ich würde lügen, wenn ich nicht im ersten Moment gedacht hätte, dass das die Kita-Zusage ist. Wie ein Flummi bin ich mit Kind und Einkaufstüte im Hauseingang umhergesprungen. Während ich das Kuvert öffnete, hüpfte eine Zitrone euphorisch aus der Tüte und sogar das lädierte Hündchen ließ sich von uns anstecken und jubelte auf hündisch. Ich posaunte mit Herrscherstimme: „Alles Gute zum Geburtstag liebes Gemeindekind, hiermit laden wir dich zum Gottesdienst am Sonntag ein.“ Hmmm. Meine Füße blieben am Boden, der Hund verstummte, die rollende Zitrone kam traurig zum Stehen und das Kind fing an am Briefpapier zu lecken. Ok, dachte ich, nur nicht verzweifeln.

Problemlos einen Kita-Platz zu bekommen, ist so wahrscheinlich, wie einen freien Kleingarten in Kreuzberg zu finden (ich hätte gerne beides!). Ich gebe mir wirklich Mühe! Ich schreibe Emails, ich rufe an, ich gehe vorbei, ich schicke Fotos, schicke einen ausgeflippten Reim (Liebe Kita Großer Luther, hier spricht Juniors Mutter…). Eigentlich wollte ich über die Kitasuche erst schreiben, wenn wir den Vertrag unterschrieben haben. Nicht dass uns eine Kita doch noch vom Wartelistenplatz 92 streicht, weil sie sich durch diese Zeilen angegriffen fühlt. Das will ich auf keinen Fall und ich weiß, dass die Kitas selbst ja auch gar nichts dafür können, dass dieses System derart unorganisiert ist.

Jede Mutter klappert also die gleichen Kitas in ihrem Kiez ab und steht auf den gleichen Wartelisten. Nehmen wir mal an es gibt 400 Mütter mit Kleinkind in Neukölln, dann stehen mindestens 389 von ihnen auf der Warteliste der Kita Sabberoase. Kita Leiterin Frau Reizbar hat dann die Aufgabe auszuwählen, an wen sie ihre zwei verfügbaren Plätze gibt. Es wird einem ja auch geraten, sich in der Kita anzumelden, bevor man den in Frage kommenden Vater überhaupt kennenlernt.

Zurück zu uns: Oma war mit Junior in der Kirche. Zum einen wollten wir die Einladung annehmen, zum anderen war es natürlich auch die ideale Gelegenheit, um sich wieder in Erinnerung zu bringen und (wie von den Kitas gewünscht) zu sagen/zeigen, dass man nach wie vor an einem Platz bei ihnen interessiert ist.

Als Oma und Junior zurück waren, war ich mir aber gar nicht mehr so sicher, ob mein Plan aufgegangen ist. Oma erzählte nur irgendwas von Kirchenboden ablecken, Blumengesteck neu sortieren und dem anderen Jungen eine Schlappe an den Kopf hauen. Naja, dabei sein ist alles.

Aber warum rege ich mich eigentlich auf? Oma ist da, Juniors und mein Schnupfen sind fast überstanden und morgen geht es mit dem Mann zum Wellness. Jippi.

Montag: 

Der Vorteil daran, zwei Kinder (Junior und der Wuschel) zu haben ist, dass die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch ist, dass eins von den beiden meine Pläne zerschießt. So auch heute Morgen. 7 Uhr, die Augen gingen nicht von alleine auf. Ich wurde durch das „Schlotz-Geräusch“ vom Hund wach, der genüsslich an seiner Wunde leckte, als sei sie mit Leberwurstpastete bestrichen. Die Brille aufgezogen und mit der Handytaschenlampe bewaffnet, wurde mir dann das Schleck-Disaster erst richtig bewusst. Das Wuscheltier hatte sich fast die gesamte Wunde wieder aufgeknabbert. Oh Hund!!! Am Freitag wären die Fäden gezogen worden und alles wäre gut gewesen….

Gut, Hund wieder zum Tierarzt, Mann hat auch Schnupfen und die Oma kann nun parallel zu Juniors Nase auch ihre eigene schnäuzen. Alle krank – tschüss Wellness. „Ne, schon ok. War nicht so wichtig. Alles gut. Wir verschieben es. Hat ja keinen Sinn“, sage ich, während das kleine Mädchen in meinem Kopf den Bikini aus der Korbtasche kramt, ihn in die Ecke pfeffert, mit dem Fuß stampft und hysterisch schreiend zurück ins Schlafzimmer rennt, um unter der Bettdecke zu weinen.

Dienstag:

Eine Weltreise oder eine kleine Runde mit Kind und Hund um den Block? Zeitlich gesehen macht das keinen großen Unterschied …und vom Gepäck her nimmt es sich auch nichts.

Mittwoch:

Der Winter kommt. Es ist so unfassbar kalt. Aber eigentlich mag ich den Winter, weil es ruhiger wird. Auf der Bierbank direkt unter unserem Schlafzimmer, die zum Späti unseres Vertrauens gehört, verbringen betrunkene Weserstrassen-Hipster-Touristen nicht mehr die Nächte und grölen dabei Lieder in ihrer Landessprache. Meist tun sie das wenn ich gerade eingeschlafen bin und mir nur wenige Stunde Schlaf bleiben, bevor ich zombiemäßig Juniors zwei-Uhr-Fläschchen fertig machen muss. Zur Info: Nö, ich will keinem seinen Spaß nehmen, aber wenn es um meinen sehr kostbaren und seit einem Jahr definitiv zu kurz kommenden Schlaf geht, dann wird mir der Spaß genommen.
Seit ich ein Kind habe, nehme ich allgemein Geräusche ganz anders wahr. Schon in der Schwangerschaft musste der Mann den Fernseher immer leiser stellen, weil es mir zu laut war. Er hing dann immer mit seinem Ohr an der Lautsprecherbox und bei jedem Hunde-Pups musste er zurückspulen, um den Dialog noch mal zu hören. Ich hasse auch Polizei- und Krankenwagen- Sirenen. Natürlich ist mir ihre Wichtigkeit bewusst und ja, bitte rettet weiterhin Leben! Ich hasse Turbolader von irgendwelchen schicken Karren, dessen Besitzer meistens nachts ihre Funktionalität testen müssen, Hupen, Bohren, Klingeln, knarzende Dielen und die Alarmanlage vom Späti unter uns, die schon losgeht, wenn sich eine Fliege auf ein Bounty setzt.

Donnerstag:

Seit Junior den Klappmülleimer in der Küche für sich entdeckt hat, kann ich übrigens über das in der Wohnung verteilte Hundefutter, nicht mehr klagen (Meine Woche 45). Selbst Krümel und alles Sonstige, was auf dem Boden liegt, wird von ihm verlässlich aufgesammelt und in den Mülleimer geschmissen. Braves Kind. Ich brauche nur noch einen guten Einfall für die Mülltrennung 2.0. Denn seit Junior so gründlich für Ordnung sorgt, hat der Hund kein Trockenfutter mehr und mir fehlt hier und da ein Gebrauchsgegenstand.

Freitag: 

Heute ist wieder Blogtag. Das bedeutet, dass ich, sobald Junior in den Mittagsschlaf fällt, zum Rechner renne. Es wird über den Hund mit Trichterkragen gesprungen, dem Bobbycar ausgewichen und gerade noch neben dem Knetklumpen getreten – angekommen! Laptop auf und los geht’s. Mir bleiben nur geschätzte 10-110 Minuten, ich fühle mich wie beim Entschärfen einer Bombe – man weiß nie, wann sie hochgeht. Wenn die Leuchtanzeige vom Babyphone wieder nach oben schießt, als hätte man beim Hau-den-Lukas volle Punktzahl erreicht, dann ist’s vorbei mit der Schreiberei. Wobei ich sagen muss, dass mein Sohn mir schon oft Nachhilfe in Informatik gegeben hat. Die meisten Tastenkombinationen lerne ich nämlich, wenn ich Junior vor den Computer setze und danach versuchen muss, alles wieder rückgängig zu machen.

2 Kommentare zu „Meine Woche 46 // Kita Frust 

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