Alltag · Oh la la Mama

Oh la la Hendrik // Papa, Sozialpädagoge für schwere Familienfälle und noch dazu ein begnadeter Künstler

Oh la la Papa Hendrik ist nicht nur Papa von Kalle und Sozialpädagoge, sondern stellt zum ersten Mal seine Kunst in der Kalashnikovv Galerie in Berlin aus.

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Zwischen klein Kalle und seinen Freunden, Bildträgern auf rostigen Blechen und was sonst noch die Fundgrube Lebensraum, Hendrik für seine Kunst inspiriert, konnte ich dem 32-Jährigen noch einige Fragen zu ihm, seiner Kunst, und dem Leben als Neupapa stellen.

„Alles hat in dem Moment begonnen, als ich mit zwei Jahren einen Stift halten konnte und angefangen hatte, zu malen. Zeichnen hat mich schon immer fasziniert, aber erst mit siebzehn Jahren habe ich angefangen, mich mit der Kunst wirklich auseinander zu setzen und mein Spektrum zu erweitern!“, so Hendrik, der in Ostfriesland geboren und aufgewachsen ist.

Ostfriesland hat einige Kunstschulen und eine stetig wachsende Künstlerszene. Durch diverse Kunstpraktika in Galerien und Schulen baute er sich schnell ein Umfeld und Netzwerk aus Künstlern auf. Trotz fehlendem akademischen Titel, durfte er sogar ein halbes Jahr beim Bund bildender Künste in Ostfriesland hospitieren.

„Mein Ziel war es natürlich Kunst zu studieren, nur ruhte ich mich ein bisschen auf der Tatsache aus, dass der NC für ein Kunststudium zweitrangig ist. Ich tat was nötig war, aber eben auch nicht mehr. Ich bekam die Zusage einer Akademie in Groningen in Holland. Am Ende bin ich aber an der Lebens-Orga gescheitert. Ich fand keine Wohnung und pendelte jeden Tag bis zu zehn Stunden, um zwei Stunden in der Uni zu sitzen.

Ich hatte mir das so schön vorgestellt, man studiert in Holland, lebt das gute Leben, arbeitet in einem Coffee Shop.“,

schmunzelt Hendrik. „Die Realität sah aber eher ermüdend aus und ich verbrachte teilweise die Nächte auf dem Bahnhof, um nicht pendeln zu müssen.“ So ging es nicht weiter und Hendrik beschloss zurück nach Ostfriesland zu gehen. „Ich versuchte es noch mal an Berliner und Hamburger Kunstschulen, machte aber auch hier eher mein eigenes Ding und hielt mich nicht an Mappenempfehlungen und Bewerbungsgrundlagen. Am Ende scheiterte ich knapp und wurde abgelehnt.“

Durch sein jahrelanges Engagement in einer Jugendgruppe in seiner Heimat und dem Einsatz deren Leiters, entschied er sich, Sozialpädagogik zu studieren.

Ich brauche die Kunst als Ausgleich zu meinem Alltag mit den schweren Schicksalen

„Im Studium lernte ich Anna kennen, wir zogen nach Berlin und kurz darauf kam Kalle auf die Welt. Kind-Kunst-Job, der Tag hat einfach zu wenig Stunden und ich spare an Schlaf. In meinem Job als verantwortlicher Sozialpädagoge in einer elternaktivierenden Krisenwohngruppe und als Leiter einer minderjährigen Flüchtlings-Wohngemeinschaft, brauche ich meine Kunst als Ausgleich. In dem Job hat man oft mit schweren Schicksalen und familiären Katastrophen zu tun. Durch Kalle kann ich viele Eltern, die ich betreue, noch besser verstehen oder eben noch weniger.“

„Alles was ich male oder modelliere, mache ich zuhause. Wenn Kalle im Bett ist, kommen die Materialien und Unterlagen raus und ich nutze jeden Meter unserer überschaubaren Wohnung. Wenn Kalle aber wach ist, dann muss ich alles schnell wegräumen!“, lacht Hendrik. „Kalle ist noch ein bisschen zu klein, um uns gemeinsam in die Kunst zu stürzen, ich freue mich aber darauf, ihm das irgendwann näherbringen zu können. Meine Eltern konnten mir leider nie eine Malschule finanzieren. Ich würde mir wünschen, dass ich Kalles Interessen fördern und unterstützen kann.“

Welches Thema beschäftigt dich in deiner Kunst?

„Zur Zeit dreht sich vieles um die Vergänglichkeit. Ich beschäftige mich gerne mit Naturmaterialien und der Auseinandersetzung mit dem Leben. Ich denke mal, dass das durch Kalles Geburt kommt. Ich bin sehr detailverliebt, liebe aufwändige Modelagen und investiere gerne viel Zeit in meine Kunst. Ich würde eine Arbeit nie übereilt beenden. Meine Kunst ist vielseitig und ich mag es, neue Dinge auszuprobieren. Ich kaufe mir 10 Bögen Papier, danach lasse ich mich aber wieder treiben und probiere ein anderes Material aus.“

Wie kannst du deine Kunst und deinen Job miteinander kombinieren? 

„Ich bin gerade dabei sowohl ein Eltern-, als auch ein Kinderangebot auf die Beine zu stellen. Kunst ist eine tolle Möglichkeit biografisch zu arbeiten, sich mit den erlebten Krisensituationen auseinanderzusetzen und seine emotionale Energie reinzustecken.“

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Henrik der Papa 

Was ist dein Happy Moment mit Kalle? 

„Wenn wir gemeinsam Mittagsschlaf machen. Ich genieße es sehr, neben ihm zu schlafen oder ihn in den Schlaf zu begleiten und seine Nähe zu spüren.“

Was ist dein Ausraster der Woche?

„Wir üben mit Kalle das „Abhalten“. Seit seinem vierten Monat versuchen wir ihn tagsüber regelmäßig „abzuhalten“, d.h. ihn ohne Windel sein Geschäft machen zu lassen. Das klappt eigentlich ganz gut, aber ab und zu sträubt er sich. Diese Situationen, wenn Abläufe, die 100-mal wunderbar funktionieren, dann plötzlich ein Problem für ihn darstellen.

Ansonsten klappt das Abhalten übrigens super. Sein großes Geschäft hat Kalle vielleicht vor einem halben Jahr zuletzt in die Windel gemacht. Natürlich ist es wichtig, als Eltern die Signale deuten zu können und dann schnell zu handeln.“

Was ist dein <must have>? 

Kurz und knapp – Anna (Kalles Mama).

 

Danke Henrik für das Gespräch. Die Ausstellung „Foreign Textures“ läuft noch bis zum 16. Mai in der Kalashnikovv Galerie in Berlin. Am Freitag, 12.05.2017 findet von 19-21 Uhr ein Arttalk in der Galerie statt. Hendrik und die Filmemacher werden vor Ort sein, es gibt eine Filmvorführung und ein Gewinnspiel, bei dem es Kunstdrucke mit Widmung zu gewinnen gibt. 

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